Nichtwohngebäude

Berufsschulzentrum Lehen

Sanierungsjahr: 2026
Ort: Salzburg

PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Gebäude ist Teil des Berufsschulzentrums Lehen in Salzburg und beherbergt Räume für zwei Berufsschulen. Im Erd- und Untergeschoss sind Werkstätten für KFZ-Berufe, in den Obergeschossen und dem Dachgeschosszubau Räume für Mechatronik und metallverarbeitende Berufe. Der Gebäudebestand datiert aus dem Jahr 1960 und wurde Anfang der 1990er Jahre thermisch saniert, wobei auch Eingriffe in die Tragstruktur vorgenommen wurden. Die Schule ist eine klassische Mittelgangschule. Konstruktiv handelt es sich um einen StB-Skelettbau.

Initial für die geplanten Sanierungsmaßnahmen war zusätzlicher Raumbedarf. Im Zuge der Konzipierung wurden neben der Aufstockung Umstrukturierungen innerhalb des Gebäudes zur Verbesserung der bestandsräumlichen Situation bis hin zur Verbesserung der Barrierefreiheit (Lifteinbau, Sanitärgruppen) mitgedacht. Darüber hinaus sollte die Fassade thermisch saniert werden.

Die Ziele der Sanierung waren Erweiterung und Verbesserung der Schulräume, die barrierefreie Erschließung des Gebäudes sowie eine thermische Sanierung zur Reduzierung des Heizwärmebedarfs. Dabei wurde ein klimaaktiv-Zertifkat im höchstmöglichen Standard angestrebt. Der Vision unseres Sanierungs- und Umbaukonszepts haben wir 2 Fragestellungen zu Grunde gelegt: 1. Wie können wir das Wissen um zeitgemäße pädagogische Konzepte in einen Schulbau der 60er Jahre implementieren? Und 2. wie können wir die Effizienz eines hohen Vorfertigungsgrades mit biogenen Baustoffen für einen ökonomischen Bauablauf nutzbar machen?
Das integrierte Umbau- und Sanierungskonzept wurde in enger Abstimmung mit Fachplanungsbüros für Tragwerk (Formlabor), Bauphysik (Larix) und Haustechnik (Leitwerk) erarbeitet. Das Konzept ermöglicht eine kurze Bauzeit für die thermische Sanierung inkl. Lifteinbau. Die beiden Regelgeschosse können durchgehend nutzbar bleiben, bauliche Maßnahmen lassen sich hier auf die Sommerferien beschränken. Dazu haben wir ein innovatives Außenwandsystem mit einem heimischen Produzenten abgestimmt, das für die serielle Sanierung entwickelt wurde und das wir bereits in einem anderen Gebäude realisieren. Das Holzbaukastensystem kommt inklusive Fenster und hinterlüfteter Fassade komplett vorgefertigt auf die Baustelle und wird nurmehr mittels mobilem Kran versetzt. Die bestehende EPS-Dämmung bleibt erhalten. Ebenso bleiben die Bestandsparapete der Regelgeschosse erhalten. Das System spart Zeit, Personal und Gerüstkosten. Der Ausbau der bestehenden Fenster kann zeitgleich mit der Fassadenmontage abgewickelt werden und muss nicht vorab geschehen. Das auf CNC-Fertigung basierende System aus ineinander gesteckten und zu Kästen gefügten 18mm Brettsperrholzplatten ist effizient, ökologisch und kreislauffähig. Die Bauweise aus Platten ist aufgrund signifikant geringerem Materialeinsatz ressourcenschonender und leichter als vergleichbare Pfosten-Riegel-Systeme. Eine nahtlos digitale Produktion reduziert den Verschnittabfall und führt zu exakten Ergebnissen. Die Fügetechnik spart in hohem Maße Verbindungsmittel und ist einfach montierbar. Die Produktion der Fassadenelemente kann regional erfolgen, was lokale Wertschöpfung sichert und Transportemissionen spart. Wir dämmen die Elemente mit eingeblasenem Stroh und setzen auf eine Winddichtung aus Kraftpapier (das hat sich bei einem anderen Projekt als nicht realisierbar erwiesen). Als Fassade haben wir eine hinterlüftete, vertikale Lärchenschalung geplant. Das neue Dachgeschoss setzt in der Systematik des Skelettbaus als Holzleichtbau auf dem Bestand auf. Über den Positionen der Bestandsstützen steht ein Rahmenwerk aus 25/25 Massivholzsstützen und 25/50 Unterzügen. Darüber spannen quer zu den Fassaden vorgefertigte Rippendecken aus 20/30 Brettschichtholzträgern und 12cm Deckenplatten aus Brettsperrholz. Zur Aussteifung dienen die mineralischen Kerne der Stiegenhäuser, Lift und Sanitärgruppen. Das Erdgeschoss wird auf die statisch wirksame Stützenstruktur zurückgebaut. Der südseitige Zubau ist mit Massivholz-Kragstützen und einer Massivholzdeckenplatte konstruiert. Nordseitig wird die Fassade über die zwei unteren Geschosse bis auf die Stützenkonstruktion reduziert. Das Schulhaus ist im wesentlichen Nord/Süd-ausgerichtet. Der sommerlichen Überwärmung wird mit einer hinterlüfteten Fassade und integriertem, textilen, außenliegenden Sonnenschutz begegnet. Südseitig wird das Erdgeschoss durch ein auskragendes Vordach verschaltet. Im Erd- und Untergeschoss wird die Nordfassade großzügig geöffnet, um den Tageslichteintrag zu maximieren. Eine klimaaktiv-Zertifizierung ist mit unserem Projekt ggf. auch in Gold unproblematisch erzielbar. Die bauphysikalischen Anforderungen an die Qualität der Dämmung, der Fenster und der Dichtheit sowie an den Sonnenschutz werden erfüllt. Wir haben 64 überdachte Fahrradabstellplätze eingeplant. Darüber hinaus schöpft das Projekt das Begrünungspotential des Werkhofes maximal aus und ergänzt dies mit Fassaden-, Dach- und Terrassenbegrünung, was zu einer spürbaren Verbesserung des Mikroklimas beitragen wird. Dennoch bedingt eine klimaaktiv-Zertifizierung für Schulen außerdem eine mechanische Lüftungsanlage. Daher schlagen wir eine einfache, dezentrale Lüftungsanlage mit hocheffizientem Enthalpiewärmetauscher und einem Bypass für Nachtlüftung für das Dachgeschoss vor. Ein System, das sich in jedem Geschoss einbauen lässt. Die Geräte werden in der abgehängten Decke der Sanitärräume untergebracht. Über die Gänge wird die Abluft gerätenah eingesaugt, die Zuluft wird direkt in die Lernräume eingebracht. Auch wenn keine Kühlung vorgesehen war, lässt sich das Energie- und Haustechnikkonzept hinsichtlich immer längerer Hitzeperioden ergänzen, dies insbesondere mit Blick auf den Leichtbau mit seinen aufgrund der Gesamtstatik reduzierten Speichermassen. So ist eine moderate Kühlung der Zuluft nach der verbauten Wärme-/Kälterückgewinnung über ein Kühlregister sinnvoll, um den zusätzlichen Wärmeeintrag der Lüftungsanlage zu kompensieren. An die Heiz- und Kühlanlage lassen sich mit geringem Aufwand auch die Regelgeschosse anschließen, indem dort die bestehenden, sodann überdimensionierten Heizkörper gegen Niedertemperaturheizkörper getauscht werden. Für das Erdgeschoss schlagen wir eine Fußbodenheizung vor, mit der im Sommer auch moderat gekühlt werden kann. Zur Kälteerzeugung eignen sich schallemissionsarme Kaltwassersätze. Alternativ haben wir ein System vorgeschlagen, dass auf die vor Ort aufgrund der Flussnähe hervorragend verfügbaren Ressourcen zur Grundwassernutzung für Freecooling setzt. Die Anlage wird über eine vollflächig am Dach des B-Traktes installierte PV-Anlage mit Strom versorgt.

Projekt

Nichtwohngebäude

Ort: Salzburg
Baujahr: 1961
Sanierungsjahr: 2026
Maßnahmen: Thermische und energetische Sanierung, Neuorganisation der Geschosse, Aufstockung
Funktion: Berufsschule

Projektbeteiligte:

Formlabor: Tragwerksplanung
Larix: Energiesystem, Bauphysik
Leitwerk: Haustechnikplanung

Eckdaten

BGF: 5.130 m2
Auszeichnungen / Zertifizierungen: Wettbewerb Anerkennungspreis
Rendering Werkhof (c) imagina.at
Schema Modularität (c) DILL ZT GMBH
Schema Aufstockung (c) DILL ZT GMBH
Lageplan (c) DILL ZT GMBH
Erdgeschoss (c) DILL ZT GMBH
Untergeschoss (c) DILL ZT GMBH
3. Obergeschoss, Aufstockung (c) DILL ZT GMBH
Nordansicht (c) DILL ZT GMBH
Südansicht (c) DILL ZT GMBH
Längsschnitt (c) DILL ZT GMBH
Querschnitt (c) DILL ZT GMBH
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