Mehrfamilienhaus / Geschosswohnbau

Gründerzeitvilla erhält neue Haustechnik – Wärmepumpe und Schichtenspeicher als zentrale Systemlösung

Sanierungsjahr: 2025
Ort: Stuttgart, Deutschland

PROJEKTBESCHREIBUNG

Bei dem Projekt handelt es sich um eine 1909 errichtete, denkmalgeschützte Gründerzeitvilla in Stuttgart mit rund 370 m² Wohnfläche und drei Wohnungen. Das Gebäude zeichnet sich unter anderem durch eine eindrucksvolle geschwungene Treppenanlage aus. In den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Villa bereits schrittweise energetisch und baulich ertüchtigt worden. Unter anderem wurden das Dach gedämmt und das Dachgeschoss ausgebaut, die Fenster in zwei Etappen erneuert, Heizkörper ausgetauscht und die Decken mit einer neuen Wärmedämm-Schüttung versehen.

Ausgangspunkt für die weitere Modernisierung war der Wunsch der Bauherren nach einer zeitgemäßen und nachhaltigen Haustechnik. Zunächst wurde eine Photovoltaikanlage mit 5,8 kWp und einem 10-kWh-Stromspeicher umgesetzt. Es wurden 15 rotbraune PV-Module, die dem Denkmalschutz entsprechen, installiert. Anschließend sollte auch die Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Die vorhandenen drei Gasetagenheizungen, von denen die älteste aus dem Jahr 2006 stammte, sollten nicht erst bei einem Ausfall ersetzt werden. Ziel war daher eine vorausschauende, ganzheitliche Erneuerung der Wärmeversorgung für das gesamte Gebäude.
Die Planung begann mit einer detaillierten Bestandsaufnahme. Wesentliche Grundlagen waren eine Heizlastberechnung, die im Rahmen der Förderung erforderlich war, sowie die Prüfung der vorhandenen Heizkörper und der möglichen Absenkung der Vorlauftemperatur. Die bestehenden Gussradiatoren erwiesen sich aufgrund ihrer großen Dimensionierung und ihres hohen Wasserinhalts als gut für den Betrieb mit einer Wärmepumpe geeignet. Von insgesamt 29 Heizkörpern mussten lediglich vier ausgetauscht werden. Zusätzlich wurde eine Schallberechnung für die geplante Außenaufstellung durchgeführt. Auf Basis dieser Untersuchungen wurde eine 20-kW-Wärmepumpe mit dem Kältemittel R290 ausgewählt. Die Aufstellung erfolgte im Garten vor einer bestehenden Mauer. Gedämmte Leitungen führen von dort bis zum Gebäude und weiter in den Technikraum. Das Herzstück der neuen Anlage bildet der 900-l-Schichtenspeicher POWERLINK-Basic von LINK3. Er fungiert als hydraulische Schaltstelle der Gesamtanlage und verbindet Wärmeerzeugung und Wärmeverbraucher. Für die drei Wohneinheiten stellt der Speicher 60 °C für die Warmwasserbereitung und 55 °C für die Zirkulation bereit. Durch die integrierte Gegenstrom-Tauschertechnik wird eine hygienische Warmwasserversorgung mit geringem Trinkwasserinhalt von lediglich 40 Litern ermöglicht. Die Speicherhydraulik arbeitet mit vier strömungstechnisch entkoppelten Heizwasserzonen. Dadurch wird eine Vermischung der unterschiedlichen Temperaturbereiche verhindert und gleichzeitig eine effiziente Wärmeübertragung ermöglicht. Der Trinkwasserwärmetauscher ist direkt in den Speicher integriert. Die Technik kommt dabei ohne zusätzliche Komponenten wie Pumpen, Ventile oder Flussschalter im Tauscherkreislauf aus. Die hohe Schichtungsqualität ermöglicht eine effiziente Nutzung des Speichervolumens und eine Tiefenentladung. Bei der Umsetzung wurde Wert auf eine sorgfältig geplante und möglichst kurze Umbauphase gelegt. Zunächst wurde die neue Technik einschließlich Peripherie und Verrohrung vollständig vorbereitet und installiert. Der bestehende Schornstein konnte für die Leitungsführung zum Dachgeschoss weitergenutzt werden. Erst nach Abschluss dieser Vorarbeiten wurden die alten Gasthermen demontiert und der Gasanschluss bis zum Hausanschluss zurückgebaut. Die vorhandene Wärmeverteilung über Heizkörper konnte im gesamten Gebäude erhalten bleiben. Die eigentliche Umstellung von der alten auf die neue Technik erfolgte innerhalb weniger Tage Mitte Dezember. Eine zusätzliche Notheizung für die Warmwasserversorgung war aufgrund der kurzen Umbauzeit nicht erforderlich. Neben der technischen Installation umfasste die Leistung auch die Errichtung des Fundaments für die Wärmepumpe sowie die erforderlichen Elektroarbeiten. Eine besondere Herausforderung lag in der Umstellung eines bestehenden Mehrfamilienhauses mit drei separaten Gasetagenheizungen auf eine gemeinsame Wärmeerzeugung. Durch die detaillierte Bestandsaufnahme, die Nutzung der vorhandenen Heizkörper und die hydraulische Integration über den Schichtenspeicher konnte eine zentrale Wärmepumpenlösung realisiert werden, ohne das gesamte Wärmeverteilungssystem erneuern zu müssen. Die Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft, Planung, Bauleitung und ausführendem Fachbetrieb erwies sich als wesentlicher Erfolgsfaktor. Auch kurzfristige Herausforderungen während der Umsetzung, beispielsweise ein Dichtungsproblem, konnten durch die engagierte Bauleitung unmittelbar gelöst werden. Die Bauherren bewerten das Ergebnis als sehr positiv: Die Wärmeverteilung sei gegenüber der alten Technik verbessert worden, die Anlage laufe problemlos und sowohl Raumwärme als auch Warmwasser würden den gewünschten Komfort bieten.

Projekt

Mehrfamilienhaus / Geschosswohnbau

Ort: Stuttgart, Deutschland
Baujahr: 1909
Sanierungsjahr: 2025
Maßnahmen: Energetische und thermische Sanierung, Wärmepumpe, Speicherlösung, PV-Anlage;
Funktion: Wohnen – Mehrfamilienhaus mit drei Wohnungen

Projektbeteiligte:

Markus Rottacker und Stefan Zbik: Bauherren
Rausch GmbH, Sulzbach/Murr: Planung und Installation
Abdyl Beha: Bauleitung
LINK3 GmbH: Schichtenspeicher

Eckdaten

Förderungen: Bundesweite Förderung für die Heizungsmodernisierung / Wärmepumpenanlage (DE), Sonderförderung der Stadt Stuttgart;
Baujahr: 1909
Wohnfläche: 370 m²
Anzahl Wohnungen: 3
Wärmepumpe: 20 kW
Kältemittel: R290
Schichtenspeicher: POWERLINK-Basic, 900 l
PV-Anlage: 5,8 kWp
PV-Module: 15
Stromspeicher: 10 kWh
vorhandene Heizkörper: 29
erneuerte Heizkörper: 4
Trinkwasserinhalt des Speichers: 40 l
Warmwassertemperatur: 60 °C
Zirkulationstemperatur: 55 °C
Wärmetauscherfläche Warmwasser: 14,8 m²
Übertragungsleistung Speicher: bis 200 kW
dokumentierter COP bei 3,4 °C Außentemperatur: 4,59
Schichtungseffizienz des Speichers: 83,6 %
Umsetzung der Umstellung: innerhalb weniger Tage
Auszeichnungen / Zertifizierungen: Die ausführende Rausch GmbH bzw. das Konzept „Die Wärmepumpenflüsterer“ wurde im Bereich Handwerk mit dem „Best of SHK Award 2026“ in der Kategorie Mehrfamilienhäuser ausgezeichnet.
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