Das schöne, aber in die Jahre gekommene, gründerzeitliche Gebäude im 18. Wiener Gemeindebezirk steht in Blockrandbebauung mit der Südfassade zur Straße und grenzt rückwärtig an einen großen, begrünten Hof. Über die mehr als 100 Jahre währende Geschichte erfolgten kleinere Umbauten im Inneren. Das umgeplante Dachgeschoss wurde vormals ausschließlich als Atelier genutzt. Obwohl räumlich sehr schön, war es in einem schlechten Zustand, unzulänglich gedämmt und wurde über eine Gastherme beheizt.
Die Umnutzung und Erweiterung der Atelierräume folgte einem geänderten Bedarf. Dabei sollte eine schlüssige räumliche Lösung für das Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten gefunden werden. Das Dachgeschoss sollte thermisch und energetisch saniert werden.
Ziele neben der Lösung der räumlichen Anforderungen waren: Energieautarkie, hinreichende Dämmung und Substanzsanierung mit minimalinvasiven Eingriffen.
Die Arbeit an diesem Projekt begann mit einem Gutachten zur Machbarkeit unter Berücksichtigung der möglichen Dachgeometrien und des Konsens mit der Behörde. Danach startete eine partizipative Phase Null. Im Anschluss an die Bedarfsanalyse, die Grundlagenermittlung und die Bestandsaufnahme startete der Planungsprozess mit den Fachplanungsbüros für Tragwerk (Vasko+Partner) sowie Bauphysik und Energiesystem (Ha-con). Dabei wurden Energiebereitstellungskonzepte bis hin zu grundstücksübergreifender Geothermieerschließung geprüft, mit dem Ziel einerseits durch eine Energiegemeinschaft im Block Synergien herzustellen und andererseits weitgehende Energieautarkie zu erreichen. In die Betrachtung wurde das gesamte Gebäude inkludiert.
Der Finanzierungsrahmen wurde im Zuge des Vorentwurfs jedoch immer enger, so dass dieser nurmehr eine Minimallösung abbildet:
Das Atelier wird zum Lebensraum. Alles was Arbeitsort war, wird dem Wohnbereich enthoben, in das Baumhaus verlegt. Die Bereiche werden angemessen getrennt und doch sinnvoll verbunden. Zentral ist der Lebensraum, groß, von kompakter, ausgewogener Proportion. Alle Wohnräume sind um diesen gruppiert, mittelbar bzw. unmittelbar angeschlossen.
Dem Lebensraum gegenüber, auf der anderen Seite des Lichthofs, durchmisst die “Spange” die maximale Tiefe des Gebäudes. Sie wird an beiden Enden von jeweils einer kleinen Terrasse abgeschlossen und vermittelt zwischen oben und unten, zwischen Nord und Süd, Baumhaus und Lebensraum. Sie ist ein Vermittler von komplexer Gestalt und doch mit einer eigenen Identität, die der Kraft des Lebensraums standhält, diesem ein integrierendes Gegenstück ist.
Zwischen Spange und Lebensraum sind die dienenden Funktionen (Sanitärräume und Küche) um den Lichthof gruppiert und durch diesen belüftet.
Der Wohnungseingang bleibt wie gehabt. Am Vorraum angeschlossen sind das unveränderte WC und das Bad in der jetzigen Küche. Vom Lebensraum werden die Kammern erschlossen, beide werden vergrößert. Im Bereich des jetzigen Bades befindet sich die Küche. Sie ist Durchgang zum neuen Bereich.
Im unteren Bereich der Spange fangen zwei Nischen als statische Ruhepole die Bewegungsdynamiken auf: nach hinten neben der Stiege eine Apsis, vorn, gegenüber der Küche, ein Alkoven. Hinauf geht es ins Baumhaus und zum Dachgarten, auch findet sich oben ein WC mit kleinem Handwaschbecken.
Das Baumhaus ist das neue Atelier. Es ist durch spezifische Arbeitssituationen, Ausblicke, Himmelsrichtungen und Sonnenstände organisiert. Ein weit auskragendes, unstrukturiertes Dach schafft mit seiner großen Fläche eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre. Der Sitzarbeitsplatz ist mit einer Fensterfront auf Schreibtischhöhe nach Osten orientiert und korrespondiert rückseitig mit einer großzügigen Arbeitswand über der sich ein schmales, horizontales Lichtband über die gesamte Länge erstreckt.
Das bestehende Dach des Stiegenhauses sowie die oberste Decke werden abgebrochen. Fußboden und Dach des Baumhauses werden neu errichtet. Das neue Dach über dem Baumhaus ab First nordwärts wird als “Flugdach” ausgebildet. Der Anschluss an den First und somit an das bestehende Dach wird mit einem schrägen Fenster hergestellt. Dieses belichtet aus seiner zentralen Position heraus in die Tiefe der Spange und ermöglicht einen weitgehenden Erhalt der bestehenden Firstdeckung.
Die Decke über dem Lebensraum wird geöffnet. Hier werden neue Trägerlagen für den Dachgarten eingebaut. Das Dach wird neu gedämmt. Um die innere Erschließung zum Dachgarten herzustellen sowie das obere WC zu ermöglichen, wird das Flachdach über dem jetzigen Vorraum, Bad und WC durch ein tieferliegendes Dach ersetzt.